Ein Parson Russell Terrier ist klein, handlich und passt problemlos ins Auto. Das macht ihn allerdings noch lange nicht zu einem unkomplizierten Kleinhund.
Er ist ein Arbeitsterrier: wach, schnell im Kopf, bewegungsfreudig, eigenständig und häufig mit einer ziemlich klaren Vorstellung davon, was gerade wichtig ist. Wer sich für einen Parson entscheidet, bekommt deshalb nicht nur einen fröhlichen Begleiter, sondern einen Hund, der wahrnimmt, mitdenkt und durchaus eigene Entscheidungen trifft.
Das kann ausgesprochen viel Spaß machen. Man sollte es nur vorher wissen.
Worauf es wirklich ankommt
Ob ein Parson zu mir passt, entscheidet sich nicht an einem einzigen Punkt.
Temperament → Eigenständigkeit → Jagdtrieb → Erziehung → Lernbereitschaft → Humor → Alltag.
Nicht jeder Parson ist gleich. Aber mit dieser Art Hund sollte man wirklich gern leben wollen.
Klein heißt nicht anspruchslos
Seine Größe täuscht leicht darüber hinweg, wie viel Hund in einem Parson steckt. Er möchte sich bewegen, entdecken und beschäftigen. Viele Parsons haben einen ausgeprägten Jagdtrieb und reagieren schnell auf alles, was sich bewegt, raschelt oder plötzlich interessant erscheint.
Dabei geht es nicht darum, den Hund ständig auszulasten. Auch ein Terrier sollte lernen, Ruhe zu halten und nicht rund um die Uhr bespaßt werden. Entscheidend ist vielmehr, dass er körperlich und geistig ernst genommen wird.
Ein Parson braucht keine Daueranimation. Aber ein Leben, das hauptsächlich aus kurzen Spaziergängen und Sofa besteht, wird den meisten Vertretern dieser Rasse auf Dauer nicht reichen.
Er denkt mit. Ob man möchte oder nicht.
Die Selbstständigkeit, die bei der ursprünglichen Arbeit gebraucht wurde, ist nicht verschwunden. Ein Parson wartet nicht zwangsläufig darauf, dass ihm jemand erklärt, was als Nächstes zu tun ist. Im Zweifelsfall entwickelt er eine eigene Idee.
Das macht die Erziehung nicht unmöglich, ganz im Gegenteil. Parsons lernen schnell und arbeiten gern mit ihren Menschen. Sie merken allerdings ebenso schnell, wenn Regeln heute gelten und morgen offenbar zur Diskussion stehen.
Härte braucht es dafür nicht. Klarheit und Konsequenz schon. Wer fair, verlässlich und mit etwas Humor mit seinem Hund umgeht, hat meist deutlich mehr davon, als wenn er versucht, jeden eigenen Gedanken des Terriers zu unterdrücken.
Jagdtrieb gehört dazu
Nicht jeder Parson jagt gleich stark und nicht jeder reagiert auf dieselben Reize. Dass Jagdverhalten in dieser Rasse aber eine Rolle spielen kann, sollte niemand überraschen.
Ein zuverlässig freilaufender Hund ist deshalb keine Selbstverständlichkeit. Manche Parsons lassen sich hervorragend kontrollieren, bei anderen bleibt Management ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Auch hier gibt es innerhalb der Rasse deutliche Unterschiede.
Die richtige Frage ist deshalb weniger:
„Kann man einem Parson den Jagdtrieb abgewöhnen?“
Sondern eher:
„Kann ich damit leben und vernünftig damit umgehen, wenn mein Hund ihn mitbringt?“
Nicht vom netten Gesicht täuschen lassen
Parson Russell Terrier wirken oft unkomplizierter, als sie sind. Klein, freundlich, aufmerksam und mit diesem gewissen Ausdruck, der sehr überzeugend vermitteln kann, dass das Leben mit ihnen hauptsächlich aus Spaß besteht.
Gut ausgebildete Parsons in Werbung, Film oder auf Veranstaltungen verstärken diesen Eindruck noch. Man sieht dort einen Hund, der konzentriert arbeitet, zuverlässig hört und mit großer Selbstverständlichkeit alles mitmacht.
Was man meistens nicht sieht, ist der Weg dorthin.
Ein gut geführter Parson kann ein beeindruckend zuverlässiger und angenehmer Begleiter sein. Aber das ist nicht automatisch der Ausgangszustand. Dahinter stehen Erziehung, Beziehung, Konsequenz und häufig einiges an Lernarbeit auf beiden Seiten.
Das niedliche Äußere sollte deshalb nie darüber hinwegtäuschen, dass man es mit einem echten Terrier zu tun hat.
Hundeerfahrung hilft. Manchmal.
Ein Parson muss nicht zwingend ein Hund für erfahrene Hundehalter sein. Manche Menschen haben mit ihrem ersten Hund ein erstaunlich gutes Gespür, beobachten genau, lernen schnell und sind bereit, sich auf diesen Hund einzustellen. Andere bringen zwanzig Jahre Hundeerfahrung mit und sind vor allem davon überzeugt, dass sie nichts mehr lernen müssen.
Gerade ein selbstbewusster Terrier kann solche Gewissheiten ziemlich zuverlässig überprüfen.
Wer schon Hunde hatte, bringt natürlich Erfahrungen mit. Trotzdem kann der erste Parson eine Überraschung sein. Diese Hunde reagieren schnell, denken selbstständig und zeigen einem ziemlich deutlich, wenn Kommunikation, Konsequenz oder Timing noch Verbesserungspotenzial haben.
Wichtiger als die Zahl der Hunde, die man vorher hatte, ist deshalb die Bereitschaft, weiterzulernen. Und ein gewisses Maß an Humor schadet ebenfalls nicht. Wer jedes eigenständige Manöver persönlich nimmt, wird es unnötig schwer haben.
Aus eigener Erfahrung

Mein erster Parson zog 1999 ein. Ich war mit Hunden aufgewachsen, habe selbst Rauhaardackel gehabt und auch gezüchtet und hielt mich durchaus für erfahren. Tja, im ersten Jahr mit dieser Hündin lernte ich mehr über Hunde und über mich selbst, als ich erwartet hatte.
Wir mussten beide lernen, miteinander umzugehen, und ich musste einiges an mir selbst verändern, um diesem sehr selbstbewussten Hund gerecht zu werden. Später wurde sie für mich ein Traumhund. Einfach war der Weg dorthin nicht.
Der passende Mensch muss kein Leistungssportler sein
Ein Parson braucht keine sportlichen Höchstleistungen und auch kein tägliches Beschäftigungsprogramm. Viel wichtiger sind Menschen, die Freude daran haben, etwas mit ihrem Hund zu unternehmen, ihn ernst zu nehmen und sich auf seine Persönlichkeit einzulassen.
Wer einen Hund sucht, der möglichst wenig hinterfragt, immer nebenherläuft und sich problemlos jedem Tagesablauf anpasst, findet wahrscheinlich passendere Rassen.
Wer dagegen einen wachen, humorvollen, robusten und manchmal herrlich eigensinnigen Begleiter schätzt, kann mit einem Parson sehr glücklich werden.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, ob man einem Parson gerecht werden kann. Sondern ob man genau diese Art Hund wirklich mag und genug Humor mitbringt, um sie auch dann noch zu mögen, wenn der Terrier gerade anderer Meinung ist.