Der Parson als Familienhund

Ein Parson Russell Terrier kann ein wunderbarer Familienhund sein. Aber „Familienhund“ ist keine feststehende Eigenschaft einer Rasse und schon gar kein Versprechen. Auch die Bezeichnung „familienfreundliche Rasse“ sagt zunächst erstaunlich wenig darüber aus, wie das Zusammenleben später tatsächlich funktioniert.

Wer im Internet nach einem geeigneten Familienhund sucht, bekommt schnell sehr lange Listen präsentiert. Da findet sich mitunter alles Mögliche, vom Herdenschutzhund bis zum Zwergpinscher. Das allein zeigt schon, wie wenig aussagekräftig der Begriff ist.

Die meisten Menschen wünschen sich einen Hund, der zu Hause zur Ruhe kommt, freundlich und verlässlich mit seinen Menschen umgeht, draußen ein angenehmer Begleiter ist und sich selbstverständlich in den Familienalltag einfügt. Das ist ein vernünftiger Wunsch. Nur ist es kein Zustand, den ein Welpe fertig mitbringt.

Ein guter Familienhund entsteht aus Passung, Erziehung, gemeinsamem Alltag und gegenseitigem Verständnis.

Ein Hund ist keine Ergänzung zum Familienbild

Ein Hund passt auf vielen Bildern wunderbar dazu: zwei Menschen, Kinder, Haus, Garten und irgendwo mittendrin ein freundlicher Hund.

Im wirklichen Leben kommt mit einem Hund allerdings nicht einfach ein weiteres Familienmitglied hinzu, das sich künftig möglichst reibungslos in alles Vorhandene einfügt. Gerade dort, wo das Erwachsenenleben vollständig gefüllt ist, Kinder Aufmerksamkeit brauchen und der Alltag ohnehin gut organisiert sein muss, bedeutet ein junger Hund zunächst vor allem eines: zusätzliche Zeit, Verantwortung und Arbeit.

Das muss kein Problem sein. Man sollte es nur nicht unterschätzen. Ein Welpe ist niedlich. Ein Junghund kann ausgesprochen anstrengend sein. Und auch ein erwachsener Hund hat Bedürfnisse, die nicht immer genau dann auftreten, wenn es gerade gut in den Tagesplan passt.

Ein Hund sollte deshalb nicht nur irgendwo Platz in der Familie finden. Er muss dazugehören und einen echten Platz im gemeinsamen Leben bekommen. Gerade ein junger Parson braucht Zeit, Orientierung und Menschen, die ihm verständlich machen, was im gemeinsamen Alltag funktioniert und was nicht.

Und ein Hund sollte nicht nur so lange passen, wie gerade genügend Zeit vorhanden ist. Man muss auch dann noch zu ihm stehen, wenn er Platz einfordert, Arbeit macht oder das Leben einmal anders läuft als geplant.

Aus eigener Erfahrung

Meine erste Parson-Hündin Hazel war ein ausgesprochen arbeitsfreudiger Hund und lebte mit mir im dritten Stock einer Zweizimmerwohnung in Berlin-Neukölln. Einen Garten gab es nicht. Dafür gab es Hundeplatz, Training, Beschäftigung und zweimal in der Woche eine Auslaufgruppe. Ansonsten war sie fast den ganzen Tag bei mir.

Das bedeutete allerdings auch, dass ich meinen Alltag auf sie eingestellt habe. Hazel war trotzdem ein unglaublich angenehmer und ausgeglichener Hund, in der Wohnung ebenso wie überall sonst.

Heute leben wir ganz anders und haben viel Platz. Die Hunde können selbst entscheiden, ob sie draußen liegen oder bei mir im Büro. Das erleichtert vieles, ersetzt aber weder Beschäftigung noch gemeinsames Leben mit ihnen.

Ein großer Garten ist deshalb ein Vorteil, aber kein Beweis dafür, dass ein Hund dort automatisch gut aufgehoben ist. Entscheidend ist, ob seine Menschen seine Bedürfnisse kennen und bereit sind, ihren Alltag darauf einzustellen.

Er bleibt trotzdem ein Terrier

Auch als Familienhund bleibt der Parson das, was er ist: ein bewegungsfreudiger, aufmerksamer und selbstständiger Arbeitsterrier.

Seine ursprünglichen Anlagen verschwinden nicht dadurch, dass er heute auf dem Sofa liegt, Kinder begleitet oder mit in den Urlaub fährt. Jagdtrieb, Eigenständigkeit, Temperament und eine schnelle Reaktion auf seine Umwelt können weiterhin dazugehören.

Wie stark sich diese Eigenschaften beim einzelnen Hund zeigen, ist unterschiedlich. Genau deshalb halte ich wenig von pauschalen Aussagen über „den Familienhund Parson“. Entscheidend ist nicht nur, ob der Parson grundsätzlich ein Familienhund sein kann, sondern ob dieser Hund zu dieser Familie passt.

Kinder und Hund

Parsons können mit Kindern hervorragend zusammenleben. Aber weder Hund noch Kind wissen automatisch, wie ein respektvolles Zusammenleben funktioniert.

Kinder müssen lernen, dass ein Hund kein Spielzeug ist, wann er seine Ruhe braucht und welche Grenzen zu respektieren sind. Gleichzeitig muss der Hund lernen, sich im Familienalltag sicher zu bewegen und Regeln einzuhalten.

Die Verantwortung dafür liegt bei den Erwachsenen. Gerade mit sehr kleinen Kindern kann das durchaus anstrengend werden, denn dann brauchen gleichzeitig zwei Seiten Aufmerksamkeit, Anleitung und manchmal auch Schutz voreinander.

Es gibt für mich keinen grundsätzlichen Einwand gegen einen Parson in einer Familie mit Kindern. Es gibt aber einen guten Grund, sich vorher ehrlich zu fragen, ob die nötige Zeit, Aufmerksamkeit und Konsequenz dafür tatsächlich vorhanden sind.

So viel Freiheit wie möglich, so viele Grenzen wie nötig

Ein verlässlicher Rahmen bedeutet für mich nicht, einen Hund ständig zu reglementieren. Im Gegenteil: Je klarer und verständlicher seine Grenzen sind, desto mehr Freiheit kann man ihm geben.

Ein Parson braucht Orientierung, aber ebenso Gelegenheit, eigene Entscheidungen zu treffen, Erfahrungen zu machen und sich als Hund zu bewegen. Regeln sollten dort greifen, wo sie für das Zusammenleben, die Sicherheit oder den Schutz anderer notwendig sind.

Das Ziel ist nicht möglichst viel Kontrolle, sondern möglichst viel Freiheit innerhalb eines verlässlichen Rahmens.

Am Ende wächst man zusammen

Wer sich einen Hund ins Leben holt, hat eine Vorstellung davon, wie dieses gemeinsame Leben einmal aussehen wird. Das ist völlig normal.

Das gilt auch für Menschen, die Hunde kennen und schon Hunde hatten, oft über viele Jahre. Auch ich habe erfahren, dass die Wirklichkeit nicht immer mit dieser Vorstellung übereinstimmt. Mit jedem Hund beginnt ein neues Kapitel. Man muss bereit sein, diesen Hund so zu nehmen, wie er kommt, mit dem, was er mitbringt.

Er bringt sein eigenes Temperament, seine Anlagen und seine Persönlichkeit mit. Vielleicht auch Eigenschaften, mit denen man nicht gerechnet hat. Auf dem Weg können Probleme entstehen, Fehler passieren, Krankheiten oder Verletzungen dazukommen und manches kann deutlich schwieriger werden, als man es sich vorher ausgemalt hat.

Ein Familienhund wird deshalb nicht als Familienhund geboren. Er wird es im gemeinsamen Leben. Durch Erziehung, gemeinsames Lernen, Verlässlichkeit, Regeln und manchmal auch durch ziemlich viel Arbeit.

Vielleicht verbindet jeder, der sich für einen Hund entscheidet, damit auch die Hoffnung auf ein bestimmtes gemeinsames Leben. Das ist menschlich. Ob daraus ein gutes gemeinsames Leben wird, entscheidet sich aber nicht am Bild im Kopf, sondern auf dem Weg dorthin.