GESUNDHEIT & Genetik
Erbkrankheiten & Gesundheit.
Der Parson Russell Terrier gilt als robuste Rasse. Trotzdem gibt es Erkrankungen und genetische Risiken, die man kennen sollte. Nicht, um Probleme herbeizureden, sondern um sie einordnen und verantwortungsvoll damit umgehen zu können.
Einordnung
Gesund heißt nicht frei von Risiken.
Der Parson Russell Terrier gilt insgesamt als robuste Rasse. Trotzdem gibt es erbliche Erkrankungen und gesundheitliche Risiken, die in der Zucht und bei der Haltung eine Rolle spielen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Probleme aufzuzählen, sondern zu wissen, welche Erkrankungen für die Rasse tatsächlich relevant sind, welche Untersuchungen sinnvoll sind und was moderne Gentests leisten können – und was nicht.
Im Detail
Was man über Gesundheit und Vererbung wissen sollte
Genetik verstehen
Nicht jedes „Gen“ bedeutet Krankheit.
Bei vielen erblichen Erkrankungen entscheidet nicht allein das Vorhandensein einer Genvariante darüber, ob ein Hund tatsächlich erkrankt. Entscheidend sind Erbgang, Genkombination und die jeweilige Erkrankung.
Gentests sind deshalb wertvoll, wenn man sie richtig liest: „frei“ bedeutet, dass die getestete Genvariante nicht nachgewiesen wurde. Es sagt jedoch nichts darüber aus, ob der Hund andere genetische Varianten trägt, auf die bei diesem Test nicht untersucht wurde.
Augen
PRA, PLL & Co.
Die Augen im Blick
Beim Parson Russell Terrier sind verschiedene erbliche Augenerkrankungen bekannt. Dazu gehören unter anderem PRA, Linsenluxation und erblicher Katarakt.
Im KfT ist die Augenuntersuchung für Zuchthunde verpflichtend. Sie muss vor der Zuchtzulassung erfolgen und bei weiterer Zuchtverwendung nach Vollendung des 4. und 6. Lebensjahres wiederholt werden. Gentests können diese Untersuchung bei einzelnen Erkrankungen ergänzen, ersetzen sie aber nicht.
Neurologie
Ataxien früh erkennen.
Beim Parson Russell Terrier sind mehrere erblich bedingte neurologische Erkrankungen bekannt. Besonders relevant sind die Late-onset-Ataxie (LOA) und die Spinocerebelläre Ataxie (SCA). Beide können zu Störungen von Koordination und Gleichgewicht führen, unterscheiden sich aber in Ursache und Verlauf.
Für LOA und SCA stehen heute DNA-Tests zur Verfügung. Laboklin führt beide ausdrücklich als validierte Tests für den Parson Russell Terrier.
Mehr testen,
als viele wissen.
Für den Parson Russell Terrier stehen heute verschiedene genetische Untersuchungen zur Verfügung. Neben gezielten Einzeltests gibt es auch umfangreichere DNA-Panels, mit denen mehrere bekannte genetische Varianten gleichzeitig untersucht werden können.
Gezielt testen: LABOKLIN bietet genetische Untersuchungen und rassespezifische Testpakete für bekannte Erbkrankheiten an. Das ist besonders interessant, wenn bestimmte für den Russell Terrier relevante Mutationen untersucht werden sollen.
Zu LABOKLINBreiter untersuchen: MyDogDNA arbeitet mit umfangreichen DNA-Panels, die zahlreiche genetische Gesundheitsmerkmale gleichzeitig erfassen. Zusätzlich können Informationen zur genetischen Vielfalt des einzelnen Hundes interessant sein.
Zu MyDogDNAWer eine konkrete Frage klären möchte, etwa ob ein Hund Träger einer bestimmten Genvariante wie PLL ist, kann gezielt einen Einzeltest durchführen lassen. Umfangreiche DNA-Panels können auch genetische Varianten sichtbar machen, nach denen man ohne konkreten Anlass vermutlich nie gezielt gesucht hätte. Sie untersuchen zahlreiche genetische Varianten gleichzeitig und können neben gesundheitlich relevanten Befunden auch Merkmale wie Felltyp oder Farbvarianten erfassen.
Testbar heißt nicht vorhersehbar.
Bei der Degenerativen Myelopathie (DM) wird eine Variante im SOD1-Gen untersucht. Auch beim Parson Russell Terrier kommt diese Variante vor.
Anders als bei LOA oder SCA lässt sich aus dem Testergebnis jedoch nicht sicher ableiten, ob ein Hund tatsächlich erkranken wird. Auch Hunde mit zwei Kopien der Risikovariante können klinisch unauffällig bleiben. Welche Bedeutung die Variante speziell beim Parson hat, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Für die Zuchtplanung ist der Genstatus dennoch hilfreich: Verpaarungen, aus denen Hunde mit zwei Kopien der Risikovariante hervorgehen können, lassen sich so vermeiden.
Weitere Gesundheitsthemen
Patella, Taubheit und weitere Untersuchungen
Nicht alle gesundheitlichen Risiken beim Parson Russell Terrier lassen sich über einen Gentest erfassen. Dazu gehören zum Beispiel die Patellaluxation und angeborene Taubheit.
Bei der Patellaluxation gibt es keinen Gentest. Dennoch wurde schon lange von einer erblichen Komponente ausgegangen. Deshalb war die Untersuchung der Kniescheiben im KfT über viele Jahre für Zuchthunde verpflichtend.
Diese konsequente Untersuchung und züchterische Auswahl hat dazu beigetragen, dass Patellaluxationen beim Parson Russell Terrier deutlich zurückgedrängt werden konnten. Inzwischen wurde die Untersuchungspflicht aufgehoben. Empfohlen wird die Untersuchung weiterhin, denn auch ohne bekannten Gentest bleibt der Befund für die Beurteilung eines Hundes und seiner Familie wertvoll.
Heute wird die Untersuchung auf Patellaluxation im KfT vor der ersten Zuchtverwendung empfohlen. Hunde mit einem Befund schlechter als Grad 1 sind von der Zucht ausgeschlossen.
Gerade eine einseitige Taubheit kann im Alltag leicht unbemerkt bleiben und wird erst durch eine entsprechende Untersuchung festgestellt. Da die Vererbung beim Parson bislang nicht eindeutig geklärt ist, bleiben neben der Audiometrie auch Kenntnisse über Abstammung, Linien und bekannte Fälle innerhalb einer Familie für züchterische Entscheidungen wichtig.
Gesundheitszucht ist mehr als ein Testergebnis.
Gentests und Untersuchungen sind wichtige Werkzeuge in der Zucht. Sie können Risiken sichtbar machen, helfen bei der Planung von Verpaarungen und verhindern, dass bekannte genetische Belastungen unnötig weitergegeben werden.
Sie ersetzen aber weder Erfahrung noch Wissen über Linien und Abstammungen. Gerade dort, wo Erbgänge nicht eindeutig geklärt sind oder ein Testergebnis keine sichere Aussage darüber zulässt, ob ein Hund tatsächlich erkrankt, bleibt dieses Wissen unverzichtbar.
Ein Träger ist deshalb nicht automatisch ein Hund, der aus der Zucht genommen werden muss. Entscheidend ist, den Genstatus zu kennen, passende Verpaarungen zu wählen und den Genpool nicht unnötig zu verengen.
Verantwortungsvolle Zucht bedeutet deshalb immer, Testergebnisse, klinische Untersuchungen, Linienkenntnis und die tatsächliche Gesundheit der Hunde gemeinsam zu betrachten.